Dienstag, 26. Dezember 2017

Der große Apfel, der niemals schläft (4. Teil)

Noch war es nicht ganz so dämmerig wie hier auf dem Foto:

 Eher so wie hier …


… obwohl die Straßenkreuzung, an der wir standen und wo nebenan die berühmte Saisoneröffnung der Schlüpfermode stattfinden würde, um einiges nobler war als das hier, aber in der Aufregung hatte ich vergessen, ein Foto zu knipsen.

Denn da war ja plötzlich diese schwarze Stretchlimousine mit den verspiegelten Fenstern neben uns aufgetaucht und ich war überraschend intim angesprochen worden. „Eierkopf“, das sagt nicht jeder zu mir, also musste die Stimme in einer näheren Beziehung zu mir stehen. Das hatte ich messerscharf ermittelt. Und tatsächlich hat ja manch aufmerksamer Leser bereits 1 und 1 zusammengezählt und die sehr richtige Vermutung geäußert, dass es sich nur um Tamara und Ludmilla, die beiden russischen Millionärsfröschinnen, handeln könnte, weil ich sonst niemanden kenne (außer der Mia), der extra nach New York fahren würden, um sich Unterwäsche anzuschauen. Ganz abgesehen von der Kohle, die man ja erst mal haben muss.

Tamara und Ludmilla, hier mit Bodyguard
 
Doch zu meiner großen Überraschung erschien hinter dem Sektglas im Innern der Limousine keine grüne Froschhand, sondern eine Fellschnauze in Halbschuhbraun mit abwärts strebendem Bart. Dazu wippten gleichfarbige Ohrenspitzen über dem Ensemble. Himmel, es handelte sich um die Polly, die Unschwester vom Karlsson. Ich muss schon sagen, mit der hatte ich am allerwenigstens gerechnet.

Um das Maß vollzumachen, erschien nun auf der gegenüberliegenden Fensterseite eine zweite Schnauze, diesmal in etwas längerer Ausführung und in Schwarzweiß: Das war die Amy, die Mitbewohnerin aus Pits Landkommune. Sie tat mir süffisant zuprosten. Um ihren Hals baumelte ein silberglänzender Schal, der so aussah wie diese dünnen Fransenwürste, die man sich über die Tannenbaumzweige legt. Außerdem kam eine Wolke aus Apfel-Shampoo und Kirschlikörpralinen aus dem Fenster gedünstet.


Junge, Junge, das war ja mal 'ne Ansage. Da glaubt man sich nun weit entfernt in Manhattan, unbemerkt und sicher unter seinesgleichen, und dann wird man von zwei albernen Provinzgören, deren Horizont mal gerade bis Holsteiner Cox und Husumer Krabbenbrötchen reicht, mit 'ner Luxuskarosse fast umgefahren und mit Sekt beschüttet – unglaublich!

Der Karlsson hatte als Erster die Sprache wiedergefunden. Streng nahm er die Polly ins Verhör:
„Hat der Papa dir die Reise bezahlt?“
„Nö, die Mama.“
Sprach's und nahm einen großen Schluck aus dem Sektglas.

Dabei hielt sie das Glas keineswegs am Kelch, so wie es Barbaren tun, sondern führte es vorschriftsmäßig am Stiel zur Schnauze. Der Stiel klemmte sicher zwischen ihren Zehen wie in einer Halterung extra dafür gemacht, und dabei konnte man sehen, dass der Flusenpony an ihrer Vorderpfote (den solche Hunde sonst immer haben) ordentlich geschnitten war, so dass kein Härchen aus der Reihe tanzte. Die Zehen wiederum waren perfekt gefeilt und glänzten in bronzefarbenem Lack.

Aha, beim Frisör und bei der Fußpflege war die Polly also auch gewesen. Ich glaube nämlich nicht, dass man so was bei denen in Schleswig-Holstein auf dem Lande hat. Und das braucht man ja auch nicht, wenn man nur Obstbäume bewacht und ab und zu mit Frauchen und Herrchen zum Markt geht. Die Mia muss das Gleiche gedacht haben, denn die war inzwischen auf fast das Doppelte angeschwollen und ganz grün geworden vor Neid. Sie hielt die Luft an, vermutlich ohne es zu merken, und wenn sie dann wieder atmen musste, hörte es sich an wie ein Bus, der geräuschvoll die Hydraulik betätigt.

Die Cora stand stumm daneben. Den Schnabel hielt sie offen. Mit dem linken Fuß war sie auf das Ende ihres hellblauen Boa-Schals getreten und hatte ihn strammgezogen. Dadurch ragte ihr Kopf nun geierartig nach vorn und sie musste ihren Blick ziemlich weit nach oben schrauben, um alles mitzukriegen. Auch sie schien nicht zu bemerken, welche körperlichen Veränderungen sich ihrer inzwischen bemächtigt hatten.

Dem Ringelplüsch hatte die Amy nur ein kurzes „Hallo, Pitti“ zugeworfen und sich ansonsten in ihre Fensternische zurückgezogen. Der Pit tat es schweigend hinnehmen. Seine Vorderpfoten waren vorschriftsmäßig eng und kerzengerade nebeneinander gestellt und bewegten sich keinen Millimeter, während seine Schwanzspitze eine gewisse Erregung verriet, weil sie sich wurmartig hin und her wand. Ich fand, für einen Rudelchef war die Anrede ein wenig respektlos ausgefallen, aber als ich den Pit leise darauf ansprach, hat er mich angeranzt, ich soll mich da raushalten, ich Eierkopp. Oh-oh, da war einer angefressen.

Dafür war die Polly umso auskunftsfreudiger. Auf meine Frage, wie lange sie denn schon in New York seien, antwortete sie gut gelaunt:
„Seit vorgestern.“
Und wo würden sie wohnen?
„Im Palais …“
Ach, ich kann mir den Namen bis heute nicht merken, irgendwas mit einem männlichem Vornamen und einer französischen Zahl, so was wie „Kähngs“ oder so ähnlich.

Na, ist ja auch egal. Die Polly hatte sowieso keine Zeit mehr zum Plaudern.
„Seid mir nicht böse, Leute“, hat sie gesagt. „Die Show fängt gleich an und wir sitzen bei den VIPs in der ersten Reihe, da wollen wir nicht zu spät kommen. Besucht uns doch mal. Sagen wir, morgen zum Frühstück? Um halb zehn? Hier ist die Visitenkarte von unserm Hotel.“

Schon kam das Kärtchen in hohem Bogen aus dem Fenster geflogen und landete vor Coras Krallen auf dem Pflaster. Dann surrte auch schon die Scheibe hoch, die Limousine fuhr an, bog um die Ecke und hielt ein paar Meter entfernt. Ein Uniformierter kam angerannt, riss die Tür auf, und wir konnten sehen, wie erst die Polly, dann die Amy aus dem Wagen sprangen und elastischen Schrittes im Gebäude verschwanden. Das war bestimmt der VIP-Eingang gewesen, denn all die andern gingen woanders rein.
„Der Teppich ist rot!“, hat die Mia geheult. „Habt ihr gesehen? Rot!“

Wir standen noch eine Weile schweigend auf dem Bürgersteig und guckten der Limousine nach, die längst verschwunden war. Überhaupt war der gesamte Anreiseverkehr inzwischen zum Erliegen gekommen. Wahrscheinlich hatte die Show bereits begonnen. Und dann fing es auch noch an zu dröppeln. Typisch, als hätten wir nicht schon genug zu Ärger gehabt.
„Lasst uns losgehen“, hat der Karlsson gemeint. „Meinen Jazz-Abend lasse ich mir nicht verderben.“


Der Pit hat ein Taxi angehalten und wir sind zum Jazz-Club gefahren. Ich habe vergessen, ob es das „Blue Note“ war oder das „Village Vanguard“ oder ein ganz anderes Lokal. Als wir ankamen, war es jedenfalls dunkel. Manhattan mit seinen vielen Lichtern sieht gerade bei Nacht sehr schön aus, das muss man diesem Moloch lassen:


Nun ja, zumindest wenn man städtische Auswüchse mag. Mit einem bisschen Wasser dabei, sieht alles gleich viel natürlicher aus:


Manche Ecken sind farbig gestaltet:


Auch sehr hübsch, nicht?  Aber wir saßen ja erst mal in diesem Club und wollten Musik hören; dort war es sowieso schummerig. Reingelassen hat man uns diesmal problemlos. Wahrscheinlich war man froh, dass sich überhaupt jemand für Jazz interessiert, oder die Jazzer sind allgemein hundefreundlich. Wir haben uns an einen kleinen Tisch direkt neben der Bühne gesetzt. Die Mia war noch immer stinkig wegen des verpassten Schlüpfer-Events („Linscherie ist das, Linscherie!“). Daher wollte sie einen Whisky haben. Die Cora hat aus Solidarität gleich mitgesoffen.

„Hast du gesehen, Max?“, hat der Pit mir zugeraunt, als die Kapelle zu spielen begann. „Die hatten dort tatsächlich Erdnüsse in der Limousine, ganz so wie ich vermutet hatte.“
Er trank Tonic Water und hatte sich eine Schale Chips bestellt.

Über die Musik kann ich leider nicht viel sagen, denn sie war zu unordentlich, als dass ich hätte mitklatschen können. Außerdem haben die Mia und die Cora dauernd Störung reingebracht, erst durch ihre ständigen „Herr Ober! Noch 'n Whisky“-Rufe, dann weil sie zu lallen angefangen hatten und dabei nicht mitkriegten, wie laut sie tuschelten. Von den Nachbartischen kamen schon Pst-Verwarnungen.

Nur den Karlsson tat das alles nicht stören. Er hatte uns den Rücken gekehrt, schaute auf die Bühne, wackelte mal mit dem Kopf, mal mit der Vorderpfote, mal mit dem Schwanz.
„Super, was?“, hat er mir zugerufen, als der Trompeter zum Solo ansetze.
Und schon ging's weitere mit seinem Geschunkele.

Ich wusste gar nicht, dass er so viel Taktgefühl besitzt. Vielleicht kommt das vom Herrenzimmer daheim, wo er die vielen Platten hört mit seinem Papa. Irgendwann setzt der Körper das dann automatisch um, ohne dass der Betreffende sich anzustrengen braucht. Das würde auch erklären, warum die Cora noch immer gerade sitzen konnte, die Mia aber inzwischen umgefallen war und auf dem Rücken liegend neben den Whiskygläsern vor sich hin schnarchte. Die Cora kommt nun mal aus einer Familie, in der Alkoholprobleme eine lange Tradition haben: erst der Coco, der immer wieder zur Kur musste, dann der Paule, der zwar nicht trinkt, aber trotzdem dauernd bekloppt ist, und nun auch der Engelbert, der, wie man hört, einen Waschzwang ausgebildet hat, wo er ununterbrochen Elektrogeräte (Fernbedienung, Mixer, Waffeleisen) in Spiritus badet. Kein Wunder, dass die Cora so trinkfest ist. Das macht die Übung. Früher hat sie nicht so viel vertragen. Da war sie aber auch noch jünger.

Dem Karlsson jedenfalls hat der Jazz-Abend richtig gut gefallen. Das freute mich aufrichtig, denn wenn man schon für Wolkenkratzer nicht zu gebrauchen ist, ist es gut, wenn man was anderes zu bieten hat, worin man keine Aufsicht oder Begleitung braucht.
„Da wird der Papa aber staunen, wenn ich ihm davon erzähle“, hat er gestrahlt.

Dann hat er mit angepackt, die Mia und die Cora vom Tisch zu fegen. Wir haben sie ihm in den Nacken gehängt ("Festhaaaalten, Mädels!“), damit sie heil auf die Straße kämen. Leider war die Cora weg, als wir am Bordstein ankamen, um ins Taxi zu steigen. Sie konnte jedoch gefunden werden. Neben dem Eingang des Jazz-Clubs lag sie, schlafend auf dem Bauch mit dem Schwanz steil nach oben gerichtet. Sie war dem Karlsson unbemerkt aus den Locken gerutscht. Nachdem die Mia dann noch neben einen Hydranten (die in New York überall herumstehen) gekotzt hatte und „Warum ausgerechnet die Polly und die Amy, diese piefigen Landeier?“ gekreischt hatte, konnte sie mit der Cora zusammen hinten im Fußraum des Taxis verstaut werden. Darauf hatte der Fahrer bestanden wegen Schonung seiner Sitzpolster.

Ich kann euch sagen, alkoholisierte Weiber sind die Pest. Wir haben die Mia im Bad eingeschlossen und vorsichtshalber die Cora gleich mit.

Am nächsten Morgen haben wir die Cora auf der Handtuchstange sitzend gefunden und die Mia in Seitenlage flach mit einem Waschlappen zugedeckt auf dem Klodeckel. Beide taten über Durst klagen. Der Pit hat ihnen Mineralwasser aus dem Frühstücksraum geholt. Ich musste Kamillenteebeutel organisieren, damit sie sie feucht machen und sich die Dinger auf die geröteten Glubschaugen legen konnten. „Chamomile“ heißt Kamille auf Englisch. Mit K am Anfang, ich meine, so spricht man das aus.
Der Karlsson musste natürlich wieder stänkern:
„Hab ich doch gleich gesagt, Max. „Camille“ ist ein französischer Vorname, sonst nix.“
Ach, dieser Chlugscheißer, dieser Charlsson, dieser Chorinthenchacker. So!

Als die Mädels endlich wieder arttypisches Aussehen angenommen und sich aufgebrezelt hatten, sind wir mit dem Taxi zu der Adresse gefahren, die Polly und Amy uns genannt hatten. Coras hellblauer Puschelstrick war nun nicht mehr dabei, und auch die Mia hatte sich für ein dezentes Make up entschieden. Eigentlich sahen beide aus wie Natur, kein Nagellack, keine Wimperntusche, nicht mal Parfüm. Aha, sie wollten den Gegner also durch Understatement in die Knie zwingen.

Mir knurrte der Magen. Ich hatte Hunger, aber wir waren ja eingeladen zum Frühstück und mussten warten. Der Karlsson tat indigniert gucken, als der Pit plötzlich auf unserer Rückbank seine rechte Vorderpfote vor sich hinhielt, als wollte er einen Verlobungsring vorzeigen, und auf allen seinen Krallenspitzen jeweils ein Fleischbällchen steckte wie ein Fächer aus Partyspießchen. Davon tat er langsam und genüsslich abbeißen, eins nach dem andern, bis alle weg waren. Hochgeschaut hat er nicht dabei, denn dann hätte er bemerkt, dass ihn vier Augenpaare von links und rechts anstarrten. Der Karlson war aber zu stolz, um ihm was vorzusabbern. Ich kann ihn verstehen. Katzen haben ja immer eine leicht überhebliche Art, einem den Platz zu weisen, selbst wenn sie unsere besten Freunde sind. Das braucht keiner, erst recht nicht so früh am Vormittag.

Wir sind ziemlich lange gefahren. Wir waren längst aus Manhattan raus. Wir haben eine Brücke überquert, sind an Einfamilienhäusern vorbeigekommen und waren nun im Grünen gelandet. Erstaunlich, dieser Kontrast. Fast ländlich mutete es an mit vielen Bäumen, sparsamer Architektur und grünem Rasen davor. Das alles war noch New York?
„Nein, New Jersey“, hat der Taxifahrer gesagt.

Wir hielten an einem geschnörkeltem Gebäude.
„Fast wie an der Riviera“, hat die Cora gemeint. „Fehlen nur noch die schwappenden Wellen des Mittelmeers.“
Jo, Palais, dieser Name kam hin. Und dann blieb mir die Spucke weg. Wir betraten die Eingangshalle:


Wir müssen ausgesehen haben wie Touristen, die eine Kirche besichtigen, weil wir die Köpfe in den Nacken legten, um die Deckenornamente zu begutachten.
„Wow!“, hat die Mia gehaucht.
Ihr Gefieder war bereits wieder um etliche Nuancen grüner geworden.
Karlssons Krallen hinterließen beim Gehen ein leichtes Schaben auf dem Marmorboden. Der Pit hingegen bewegte sich lautlos und mit erhobenem Schwanz. Ich habe ihn nicht aus den Augen gelassen, damit er nicht auf dumme Gedanken käme. Man weiß ja: Schloss. Nicht dass er wieder zu popeln anfinge und wir wieder flüchten müssten. Dazu hatte ich vorm Frühstück echt keine Lust.

Apropos. Plötzlich sprach uns jemand von der Seite an. Wir zuckten zusammen, so antik und vergessen kam man sich vor in diesem Ambiente. Es war jemand vom Hotel, der wissen wollten, ob wir „Mister Karlsson und Reisegruppe“ wären.
„Miss Polly und Miss Amy erwarten Sie auf der Terrasse.“

Hatte er tatsächlich „Mister Karlsson“ und ... „Reisegruppe“ gesagt? Ha! Unverschämtheit. Kaum ist man ein Stück aus Manhattan heraus, scheint man Hunde plötzlich supergut zu finden, was?
„Pst, lass es, Max!“, hat die Cora mich ermahnt.
Sie hatte eine Aura im Blick, so ehrfurchtsvoll wie eine Nonne, die ins Kloster eintritt.
Wir betraten die Terrasse:


Nun, was soll ich sagen? Sie war … äh … zweckmäßig, passte irgendwie zur Eingangshalle und zur Gebäudefront. Man hörte keinen Laut außer dem Rauschen der Bäume aus dem Garten. Wir wurden an eines der Korbsessel-Ensembles geführt. Dort lag die Amy auf einem Kissen mit goldenen Quasten und Troddeln und blätterte in einer „Cosmopolitan“. Daneben saß die Polly auf dem Boden, hielt eine Pfote in ein Schälchen mit schaumigem Zeugs, das auf dem Stuhlsitz stand.
„Da seid ihr ja“, wurden wir begrüßt. „Habt ihr gut hergefunden?“

Der Page am Ende der Terrasse erhielt einen Wink. Er verschwand. Wenig später kam er zurück und baute einen niedrigen Klapptisch auf. Darauf wurde ein Tablett abgestellt. Wir trauten unsern Augen nicht:


Wenn ich ehrlich bin, hatte ich eigentlich an ein bisschen mehr Kohlenhydrate gedacht. Und habt ihr's bemerkt? Ganz links, der entzückende Schwan mit seinem Apfelgefieder? Die Mia war gleich Feuer und Flamme:
„Wie mein Harald! Süüüß. Aber reinbeißen tu ich da nicht, das wäre pietätlos.“
Gott sei Dank folgte gleich darauf ein zweites Tablett:


Na, das sah ja schon besser aus. Dazu gab es Brot im Korb und Messer zum Draufschmieren. Wir haben uns aber alles bestecklos reingeschoben. Diese Schinkenröllchen mit Cremefüllung waren wirklich lecker. Als das erste Tablett alle war, hat die Polly mit einem Pfotenschnipp ein weiteres bringen lassen. Zu hungern brauchte niemand, selbst der Pit nicht.
„Na, schmeckt's, Pittilein?“, hat sich die Amy erkundigt.
War das Triumph, was man ihrer Stimme entnehmen konnte? Nee, bestimmt nicht. Dazu ist die Amy viel zu gutmütig und viel zu ländlich.

Zwar soll man nicht mit vollem Mund sprechen, aber mir war wichtig, dass die Konversation allmählich in Gang kam, schließlich brannte uns einiges unter den Nägeln, das wir noch wissen wollten.
„Ja, genau!“, ist mir die Mia ins Wort gefallen und hat im kreischenden Stakkato ihr Herz ausgeschüttet.
„Aber Mialein, meine Gute“, hat die Polly darauf geantwortet. „Warum hast du denn nichts gesagt? Ich wusste doch nicht, dass du so gern zur Modenschau gestern gegangen wärst. Ich hätte dir doch meine Eintrittskarte überlassen. Wir saßen zwar in der ersten Reihe, neben dieser – wie heißt noch mal diese bekannte Schauspielerin, Amy? –, aber mein Gott, sooooo toll war's nun auch wieder nicht. Ich hätte dir liebend gern meine Karte gegeben, wirklich.“
Jetzt passte die Mia farblich erst richtig gut zu dem Schinken auf dem Teller. Sie tat alles ausstechen mit ihrer Farbintensität.

Den Karlsson interessierten andere Themen, zum Beispiel wieso seine Mama all das Geld rausgerückt hätte für diese teure Reise und die protzige Unterkunft?
„Ein bisschen billiger wäre wohl nicht gegangen, was?“
„Warum denn? Ich bin's ihr halt wert. Und du verreist ja auch dauernd mit deinen Honks hier und hältst jeden aus, da kann ich ja wohl mal die Amy mitnehmen und wir machen uns ein paar schöne Tage.“
Die Amy tat heftig nicken. Fast hätte mich ein Cremeklecks an der Stirn erwischt. Gerade noch so eben ist es an mir vorbeigeflogen.
„Na, wenn die Polly für die Amy mitbezahlt, dann ist doch alles in Ordnung“, hat sich der Pit eingemischt.

Der Karlsson war anderer Meinung. Er kriegte plötzlich eine tiefe Furche zwischen den Augen. Aber bevor er was sagen konnte, hat die Cora schnell gefragt, wo die beiden denn schon überall gewesen wären. Sie hätten es doch sicher genauso schwer wie wir mit dem Karlsson, als Hund überall reinzukommen.
„Nö, eigentlich nicht“, hat die Polly geantwortet.
„Nicht?“
„Nein. Wir haben VIP-Karten. Wir werden mit dem Wagen überall hingefahren und dann führt uns die Reiseleiterin an der Kasse vorbei und erklärt uns alles, was wir sehen wollen. Wir haben keine Probleme.“
Der Cora fiel das Orangenröschen aus den Krallen. Da war selbst sie platt.
„So?“, hat sie sich wieder aufgerappelt, doch ihre Stimme ließ ein leichtes Zittern erkennen, „Und? Was habt ihr nun schon alles gesehen?“

„Ooooch, was war das alles, Amy?“ Die Polly tat herzhaft in ein Schinkenröllchen beißen. „Wir waren im Metropolitan Museum of Art, in der berühmten öffentlichen Bibliothek mit den vielen, vielen historischen Büchern, im Guggenheim-Museum, im Museum of Modern Art, im Naturkundemuseum … ääääh … was noch? Jedenfalls noch in vielen Wolkenkratzern, und die Restaurants waren auch alle super.“
„Ja, und denkt euch!“, hat die Amy ihren Senf dazugegeben „Im Naturkundemuseum hängt ein Wal unter der Decke, riesengroß! Das sieht vielleicht klasse aus! Das muss man gesehen haben. Ein-malig!“
Jetzt tat die Cora richtig säuerlich gucken. Ich glaube nicht, dass das am Dressing lag.

Damit keiner behauptet, ich täte lügen. Hier noch mal die Terrasse, diesmal mit der Polly als Beweis

Überhaupt erfuhr die Unterhaltung jetzt eine deutliche Einbuße an Spannung. Wissensdurst zeigte niemand mehr. Wir mampften still vor uns hin. Nur das harte „Kchrrrt ….rrrt-rrrt-rrrt“ von der Mia, die von einer Gurkenscheibe abbiss und ausgiebig kaute, übertönte das Schweigen. Schließlich meldete sich der Pit zu Wort:
„Wo ist hier die Toilette?“
Ich bin vorsichtshalber mitgegangen wegen Überwachung. Von den vergoldeten Wasserhähnen und der Gästeseife in Schwanform habe ich der Mia natürlich nichts erzählt zur Schonung unserer aller Nerven. 

Als wir zurückkamen, hörte ich die Polly sagen:
„Und? Was machen wir nun mit dem angebrochenen Tag? Wollen wir nicht was gemeinsam unternehmen?“
Keine Antwort. Alles guckte betreten weg. Der Karlsson hielt den Kopf abgewandt und pulte sich was aus den Zähnen, die Mia betrachtete interessiert das Muster der Servietten, die Cora war am Zurechtrupfen ihrer Bauchfedern und die Amy hockte nur da und guckte von einem zum andern. Tja, das kommt davon, wenn man ungeniert so rumprotzt mit seinem Luxus. Niemand hat Lust, sich das anzuhören. Doch die Polly erwies sich als überraschend hartnäckig:
„Shoppen, Mia? Na, wie wär's damit? Ein bisschen bummeln gehen?“

Ich weiß bis heute nicht, ob sich die Polly nur einen Spaß machen wollte, oder ob sie tatsächlich scharf war auf unsere Anwesenheit. Jedenfalls war innerhalb einer Sekunde alles weitere Reden überflüssig.
„Au ja!“, hat die Mia geschrien.
Gut, wenn die Mädels also jetzt versorgt waren, hieß es nur noch für uns Jungs das Programm abzusprechen. So weit kamen wir aber gar nicht, denn der Pit stellte plötzlich klar:
„Ich fahr jetzt nach Harlem!“
Huch? Was sollte das denn bedeuten? Wenn ich's schon zu diesem Zeitpunkt gewusst hätte – da könnt ihr sicher sein – hätte ich jedenfalls alles drangelegt, um das zu verhindern.


Fotos: Cora © G.H.
          Pit und Amy: Club der glücklichen Vierbeiner
          Karlsson und Polly: Terrierhausen

         Skyline New York, Straße Manhattan, Frösche, Manhattan im Regen, Skyline bei Nacht, Skyline mit Wasser
         Farbiges Manhattan, Trompeter, Marmorsaal, Terrasse, Obststeller, Wurstteller, To be continued: Pixabay

© Max: Papageiengeschichten

Samstag, 23. Dezember 2017

Klingelingeling, klingelingeling ... es kommt der Weihnachtsmann

Schnell, ehe mein Internet wieder weg ist.


... wünschen der Max, die Mia und die Putze (die Matschfalter nicht, denn die haben sich wie jedes Jahr im Blumentopf eingebuddelt und können nicht viel  sagen 😜)

Habt schöne Feiertage. Genießt Ruhe, Familie, Freunde, Geschenke oder was euch gerade wichtig ist. Gut Mampf. Und: Prost!

Foto: Pixabay

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Das Bild des Tages (2)

Originalfoto: Pixabay

Montag, 4. Dezember 2017

Das Bild des Tages (1)

Originalfoto: Pixabay

Mittwoch, 29. November 2017

Der Spruch des Tages (183)


Versteh ich nicht.  😕

© Max: Papageiengeschichten (Bild)